Strukturierung und Berichterstattung grenzüberschreitender Aktivitäten zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland
- Kristina Coluccia

- Jan 12
- 4 min read
Für international tätige Unternehmensgruppen mit Aktivitäten in Hongkong und auf dem chinesischen Festland ist eine saubere Strukturierung und konsistente Berichterstattung von grundlegender Bedeutung. Trotz der engen wirtschaftlichen Verflechtung beider Jurisdiktionen bestehen erhebliche Unterschiede in rechtlicher, steuerlicher und regulatorischer Hinsicht. Fehlinterpretationen dieser Unterschiede sind eine der häufigsten Ursachen für Compliance- und operative Probleme.
Dieser Beitrag erläutert gängige Strukturierungsmodelle für grenzüberschreitende Aktivitäten, beschreibt die Anforderungen an die Berichterstattung und zeigt auf, welche Aspekte Unternehmen 2026 überprüfen sollten, um Risiken zu reduzieren und operative Klarheit zu sichern.
Klare Definition der Rolle jeder Gesellschaft
Ein zentraler Ausgangspunkt ist die eindeutige Festlegung der Funktion jeder Gesellschaft innerhalb der Gruppe.
Hongkonger Gesellschaften werden häufig als regionale Managementeinheiten, Finanzierungsgesellschaften, IP-Halter, Beschaffungsplattformen oder Holdinggesellschaften eingesetzt. Gesellschaften auf dem chinesischen Festland übernehmen in der Regel Produktion, Vertrieb, Dienstleistungserbringung oder lokale Beschäftigung.
Probleme entstehen, wenn die tatsächliche Tätigkeit nicht mit der definierten Rolle übereinstimmt. Wird eine Hongkonger Gesellschaft formal als passive Holding dargestellt, übernimmt jedoch faktisch Vertragsverhandlungen, steuert Personal oder bestimmt Preisstrukturen in China, entstehen auf beiden Seiten der Grenze steuerliche und regulatorische Risiken.
Eine tragfähige Struktur erfordert die Übereinstimmung von rechtlicher Ausgestaltung, wirtschaftlicher Realität und Dokumentation.
Gängige grenzüberschreitende Betriebsmodelle
Es gibt keine universell richtige Struktur. In der Praxis haben sich jedoch mehrere Modelle etabliert:
Eine Hongkonger Holding- oder Regionalzentrale mit einer oder mehreren operativen Tochtergesellschaften auf dem chinesischen Festland
Eine Hongkonger Handelsgesellschaft, die an eine chinesische Produktionseinheit verkauft oder von dieser einkauft
Eine Hongkonger Dienstleistungsgesellschaft, die Management-, technische oder unterstützende Leistungen für chinesische Gesellschaften erbringt
IP-Strukturen oder Lizenzmodelle, bei denen Hongkong als zwischengeschaltete Einheit fungiert
Jedes dieser Modelle hat unterschiedliche steuerliche, verrechnungspreisbezogene und meldepflichtige Auswirkungen.
Verrechnungspreise und konzerninterne Vereinbarungen
Verrechnungspreise zählen zu den sensibelsten Themen in Hongkong-China-Strukturen. Die chinesischen Steuerbehörden erwarten, dass konzerninterne Transaktionen dem Fremdvergleichsgrundsatz entsprechen und zeitnah dokumentiert werden.
Unternehmen sollten prüfen, ob:
Konzerninterne Dienstleistungsvereinbarungen bestehen und die tatsächlichen Leistungen abbilden
Verrechnete Entgelte wirtschaftlich nachvollziehbar und konsistent angewendet werden
Kostenbasen und Aufschläge sachlich begründet sind
Belastbare Nachweise für Management-, technische oder IP-bezogene Gebühren vorliegen
Auch die Steuererklärungen in Hongkong müssen mit diesen Strukturen übereinstimmen. Abweichungen zwischen chinesischen Verrechnungspreispositionen und der Profits-Tax-Berichterstattung in Hongkong werden zunehmend von Behörden und Banken erkannt.
Abstimmung der steuerlichen Berichterstattung zwischen den Jurisdiktionen
Hongkong und das chinesische Festland verfügen über grundlegend unterschiedliche Steuersysteme. Während Hongkong ein territoriales Ertragsteuersystem anwendet, unterliegt Einkommen in China einer umfassenderen Besteuerung mit zusätzlichen indirekten Steuern.
Grenzüberschreitend tätige Gruppen sollten sicherstellen, dass:
Erträge entsprechend der tatsächlichen Tätigkeit der richtigen Jurisdiktion zugeordnet werden
Offshore-Positionen in Hongkong ausreichend dokumentiert sind
Quellensteuerpflichten auf Dienstleistungsentgelte, Lizenzgebühren und Dividenden geprüft werden
Mehrwertsteuerliche Aspekte in China korrekt behandelt werden
Eine fehlende Abstimmung zwischen der steuerlichen Berichterstattung in Hongkong und China ist ein häufiger Auslöser für Prüfungen und Compliance-Überprüfungen.
Management, Kontrolle und Substanz
Fragen der Leitung und Kontrolle stehen regelmässig im Fokus grenzüberschreitender Überprüfungen. Behörden und Banken erwarten zunehmend, dass wirtschaftliche Substanz und formale Struktur übereinstimmen.
Dazu gehören insbesondere:
Klare Entscheidungsprozesse auf Ebene von Vorstand und Management
Nachvollziehbare Dokumentation, wo strategische und operative Entscheidungen getroffen werden
Ordnungsgemässe Protokollierung von Sitzungen und Genehmigungen
Übereinstimmung zwischen Bankaktivitäten und erklärten Geschäftstätigkeiten
Wird eine Hongkonger Gesellschaft als Entscheidungszentrum dargestellt, muss diese Rolle auch tatsächlich ausgeübt und belegbar sein.
Finanzberichterstattung und Konsolidierung
Aus Sicht der Berichterstattung ist Konsistenz entscheidend. Konzernabschlüsse, lokale gesetzliche Abschlüsse und internes Management Reporting sollten ein einheitliches Bild vermitteln.
Unternehmen sollten überprüfen, ob:
Konzerninterne Salden über die Jurisdiktionen hinweg abgestimmt sind
Umsatz- und Kostenverteilungen konsistent erfolgen
Währungsbehandlung und zeitliche Abgrenzungen verstanden und korrekt umgesetzt sind
Prüfungsansätze in Hongkong und China aufeinander abgestimmt sind
Unstimmigkeiten werden häufig erst im Rahmen von Abschlussprüfungen, Due-Diligence-Prozessen oder Banküberprüfungen festgestellt.
Regulatorische und operative Aspekte
Neben Steuer- und Rechnungslegungsthemen müssen grenzüberschreitende Aktivitäten auch weitere Bereiche berücksichtigen, darunter:
Vorgaben zu ausländischen Investitionen und Genehmigungsverfahren in China
Durchsetzbarkeit von Verträgen und anwendbares Recht
Daten-, Lohn- und arbeitsrechtliche Compliance
Bank- und Devisenkontrollvorschriften
Änderungen in einer Jurisdiktion können unbeabsichtigte Auswirkungen in der anderen haben, wenn Strukturen nicht ganzheitlich betrachtet werden.
Überprüfung der Struktur mit Blick auf 2026
Angesichts zunehmender regulatorischer Prüfungsdichte ist 2026 ein geeigneter Zeitpunkt, bestehende Hongkong-China-Strukturen auf ihre Zweckmässigkeit zu überprüfen. Dies gilt insbesondere für Unternehmensgruppen, die organisch gewachsen sind, sich rasch ausgeweitet haben oder Anpassungen ohne umfassende Gesamtprüfung vorgenommen haben.
Eine proaktive Analyse hilft, Fehlanpassungen frühzeitig zu erkennen, die Berichterstattung zu verbessern und das Risiko von Beanstandungen durch Steuerbehörden, Banken oder Geschäftspartner zu reduzieren.
Fachkundige Beratung kann nicht nur bei der Behebung bestehender Probleme unterstützen, sondern auch bei der Gestaltung von Strukturen, die Wachstum ermöglichen und zugleich auf beiden Seiten der Grenze regelkonform bleiben.
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