Die richtige Stadt in China für ein Unternehmen mit ausländischer Beteiligung auswählen
- Kristina Coluccia

- Jan 12
- 3 min read
Die Wahl des Standorts für die Gründung eines Unternehmens mit ausländischer Beteiligung in China ist eine strategische Entscheidung mit langfristigen Auswirkungen. Während Kosteneinsparungen häufig im Vordergrund der ersten Überlegungen stehen, beeinflusst der Registrierungsort unmittelbar die steuerliche Behandlung, das regulatorische Risiko, arbeitsrechtliche Verpflichtungen, die operative Effizienz sowie die Möglichkeiten für Wachstum oder einen geordneten Marktaustritt.
China ist kein homogener Markt. Nationale Gesetze werden auf lokaler Ebene umgesetzt, und identische Geschäftsmodelle können je nach Standort sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Ein vermeintlich kostengünstiger Standort kann Risiken mit sich bringen, die anfängliche Einsparungen deutlich übersteigen.
Dieser Beitrag zeigt auf, wie chinesische Städte realistisch bewertet werden können, indem offensichtliche Kostenvorteile gegen weniger sichtbare Umsetzungs- und Ausführungsrisiken abgewogen werden.
Warum die Standortwahl entscheidend ist
Die Stadt, in der ein Unternehmen mit ausländischer Beteiligung registriert ist, beeinflusst unter anderem:
die Auslegung und Durchsetzung steuerlicher Vorschriften durch lokale Behörden
die Geschwindigkeit und Verlässlichkeit behördlicher Genehmigungsverfahren
die Anwendung des Arbeitsrechts und die Ergebnisse arbeitsrechtlicher Streitigkeiten
den Zugang zu Bankdienstleistungen und die Abwicklung von Devisentransaktionen
die praktische Durchsetzbarkeit lokaler Förderprogramme und politischer Massnahmen
Zwei Gesellschaften mit identischer Struktur können allein aufgrund ihres Standorts mit sehr unterschiedlichen Compliance-Anforderungen konfrontiert sein.
Tier-One-Städte
Höhere Kosten, höhere Vorhersehbarkeit
Zu den typischen Tier-One-Standorten zählen Shanghai, Peking, Shenzhen und Guangzhou.
Stärken
Umfangreiche Erfahrung im Umgang mit Unternehmen mit ausländischer Beteiligung
Konsistentere Auslegung nationaler Regelungen
Ausgereifte Steuer-, Rechts- und Bankeninfrastruktur
Reibungslosere Abwicklung von Devisen und Dividendenrückführungen
Höhere Planungssicherheit bei Prüfungen und Inspektionen
Abwägungen
Höhere Miet- und Gehaltsniveaus
Sozialversicherungsbeiträge auf Basis höherer lokaler Bemessungsgrundlagen
Begrenzte oder streng regulierte Förderprogramme
Für viele Holding-, Handels- und dienstleistungsorientierte Geschäftsmodelle bieten Tier-One-Städte trotz höherer nomineller Kosten ein insgesamt geringeres Risiko.
Tier-Two-Städte
Ausgewogenes Potenzial mit lokalen Besonderheiten
Zu den gängigen Tier-Two-Standorten gehören Hangzhou, Suzhou, Nanjing, Chengdu, Wuhan, Xi’an und Qingdao.
Vorteile
Niedrigere Lohn- und Immobilienkosten als in Tier-One-Städten
Wachsende Verfügbarkeit technischer und kaufmännischer Fachkräfte
Branchenspezifische Förderprogramme, insbesondere für Fertigung und Technologie
Zunehmende administrative Professionalität
Zu berücksichtigende Risiken
Deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Bezirken derselben Stadt
Lokale Auslegung steuerlicher Vorschriften, die von nationalen Standards abweichen kann
Förderungen häufig an Umsatz-, Steuer- oder Beschäftigungsziele geknüpft
Langsamere oder dokumentationsintensivere Devisenprozesse
Tier-Two-Städte können gut geeignet sein, sofern die Standortwahl eng an die tatsächliche Geschäftstätigkeit angepasst und Förderzusagen konservativ bewertet werden.
Städte niedrigerer Tiers und Entwicklungszonen
Förderungen mit erhöhtem Umsetzungsrisiko
Hierzu zählen unter anderem Binnenprovinzhauptstädte, Städte auf Kreisebene sowie spezialisierte Entwicklungszonen, die mit Kostenargumenten oder industriellen Clustern werben.
Typische angebotene Anreize
Mietfreie Zeiträume oder subventionierte Betriebsflächen
Lokale Steuerrückvergütungen oder Erstattungen
Barzuschüsse in Abhängigkeit von Investitions- oder Beschäftigungszahlen
Häufige Herausforderungen
Förderungen unterliegen jährlicher Genehmigung oder wechselnden politischen Prioritäten
Begrenzte Erfahrung mit komplexen ausländischen Beteiligungsstrukturen
Zunehmende Prüfungsintensität mit steigender Profitabilität
Eingeschränkte Durchsetzbarkeit informeller oder nicht gesetzlich verankerter Zusagen
Erhöhte Wahrscheinlichkeit nachträglicher Beanstandungen
Kurzfristige Einsparungen können im späteren Geschäftsverlauf durch Reibungsverluste, Verzögerungen oder Streitigkeiten relativiert werden.
Arbeitskosten versus arbeitsrechtliches Risiko
Niedrigere Löhne führen nicht automatisch zu geringeren arbeitsrechtlichen Risiken.
Zu prüfende Faktoren je Standort sind unter anderem:
Durchsetzungspraxis der lokalen Arbeitsbehörden
Tendenzen von Schiedsstellen bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten
Praktische Flexibilität bei Kündigungen und Rollenänderungen
Bemessungsgrundlagen und Durchsetzung von Sozialversicherungsbeiträgen
In einigen kostengünstigeren Regionen werden arbeitsrechtliche Vorgaben strenger angewendet, was langfristige Haftungsrisiken erhöhen kann.
Steuerliche Anreize versus steuerliche Planungssicherheit
Viele auf Stadt- oder Bezirksebene beworbene Anreize beruhen auf Verwaltungspraxis und nicht auf klarer gesetzlicher Grundlage.
Vor der Nutzung solcher Anreize sollten Investoren prüfen:
ob die Förderung formell veröffentlicht oder lediglich politisch zugesagt ist
welche Verlängerungs- und Genehmigungsvoraussetzungen bestehen
ob die Massnahmen mit nationalen Steuervorschriften vereinbar sind
welches Rückforderungsrisiko bei geänderter Auslegung besteht
Ein kleiner, verlässlicher Anreiz in einer etablierten Stadt ist häufig vorteilhafter als eine umfangreiche, aber unsichere Förderung.
Operative Aspekte, die häufig übersehen werden
Neben Kosten und Compliance spielen auch praktische Gesichtspunkte eine zentrale Rolle:
Effizienz der Bankabwicklung und internationale Zahlungsfähigkeit
Verfügbarkeit zweisprachiger Finanz- und Führungskräfte
Qualität der Logistik- und Verkehrsinfrastruktur
Nähe zu Kunden, Lieferanten und Entscheidungsträgern
Operative Reibungsverluste erscheinen selten in Budgetplanungen, wirken sich jedoch langfristig auf die Leistungsfähigkeit aus.
Strukturierung zur Steuerung von Standort-Risiken
Viele Unternehmen setzen auf hybride Strukturen, um Kosten und Kontrolle auszubalancieren, etwa durch:
Holdinggesellschaften in Tier-One-Städten mit operativen Einheiten in anderen Regionen
Vertriebs- oder Handelsgesellschaften in Shanghai oder Shenzhen mit Fertigung im Landesinneren
Regionale Zentralen kombiniert mit projektbezogenen Tochtergesellschaften
Solche Modelle können das Risiko lokaler Umsetzungsprobleme reduzieren, ohne auf Kostenvorteile verzichten zu müssen.
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