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Neue Visa- und Talenttrends in China und Hongkong

  • Apr 10
  • 5 min read

Im vergangenen Jahr haben sowohl Festlandchina als auch die Sonderverwaltungsregion Hongkong ihre Regelungen für Visa, Fachkräftegewinnung und grenzüberschreitende Mobilität deutlich weiterentwickelt. Für internationale Unternehmen, die ihre Präsenz in Asien aufbauen oder vertiefen möchten, stärken diese Veränderungen die strategische Rolle von China und Hongkong als regionale Standorte. Gleichzeitig erfordern sie eine sorgfältige Planung, insbesondere in den Bereichen Personalstrategie, Compliance und grenzüberschreitende Organisation.

Zentrale Entwicklungen bei Visa und Fachkräftemobilität

China hat seine Regelungen zur grenzüberschreitenden Fachkräftemobilität erweitert. Im November 2025 stellten die chinesischen Behörden ein Paket mit zehn neuen Erleichterungsmassnahmen im Einwanderungsbereich vor. Ein Talent-Endorsement-System, das zuvor nur für begrenzte Pilotzonen wie die Greater Bay Area galt, wurde auf das gesamte Jangtse-Delta, die Region Beijing-Tianjin-Hebei sowie alle Freihandelszonen ausgeweitet.

Qualifizierte Arbeitgeber können nun mehrfache grenzüberschreitende Einreisegenehmigungen mit einer Gültigkeit von einem bis zu fünf Jahren für führende Fachkräfte aus Wissenschaft, Kultur, Recht und Medizin beantragen. Jeder Aufenthalt in Hongkong oder Macau kann bis zu 30 Tage dauern.

Diese Entwicklung reduziert den administrativen Aufwand für grenzüberschreitende Geschäftsreisen, Forschungs- und Entwicklungskooperationen sowie rotierende Einsätze erheblich. Besonders relevant ist dies für Unternehmen mit parallelen Aktivitäten auf dem chinesischen Festland und in Hongkong.

Ergänzend zur Ausweitung des Talent-Endorsement-Systems hat China auch seine 240-Stunden-Regelung für visumfreien Transit erweitert. Zusätzliche Einreisehäfen mit Verbindung nach Hongkong wurden aufgenommen, wodurch kurzfristige Reisen für ausländische Staatsangehörige, die über Hongkong in andere chinesische Städte weiterreisen, vereinfacht werden.

Hongkongs erweiterte Programme für Talente und kurzfristige Mobilität

Hongkong hat seine Programme zur Gewinnung internationaler Fachkräfte ebenfalls ausgebaut. Das Top Talent Pass Scheme, eines der zentralen Programme Hongkongs zur Anwerbung hochqualifizierter Talente, wurde erweitert. Seit Ende 2024 umfasst es rund 198 bis 199 weltweit anerkannte Universitäten und Institutionen, wodurch mehr Absolventinnen und Absolventen antragsberechtigt sind.

Für einkommensstarke Antragsteller der Kategorie A, die im Jahr vor der Antragstellung mindestens 2,5 Millionen Hongkong-Dollar verdient haben, wurde die anfängliche Visagültigkeit von zwei auf drei Jahre verlängert. Dies gibt Kandidaten mehr Planungssicherheit bei Relocation, Karriereplanung und langfristiger Standortentscheidung.

Auch die Antrags- und Verlängerungsprozesse wurden erleichtert. Verlängerungsanträge können nun bereits drei Monate vor Ablauf eingereicht werden, statt wie zuvor erst vier Wochen vor Ablauf.

Neben dem Top Talent Pass Scheme wurde auch das System für kurzfristige professionelle Besucher erweitert. Seit November 2025 umfasst das Short-Term Talent Visitor Scheme nun 17 Sektoren, darunter Umwelt, Arbeitssicherheit, Schifffahrt, Think Tanks und weitere Fachbereiche. Rund 490 berechtigte Organisationen können ausländische Experten für Aufenthalte von bis zu 14 Tagen pro Reise einladen, damit sie vergütete Projektarbeit leisten können, ohne dass ein vollständiges Beschäftigungsvisum erforderlich ist.

Insgesamt wurden zwischen Ende 2022 und März 2025 mehr als 300.000 Anträge im Rahmen verschiedener Talentaufnahmeprogramme genehmigt. Dies zeigt, dass Hongkong seine Rolle als internationaler Talentstandort aktiv stärkt.


Was dies für globale Unternehmen bedeutet

Für multinationale Unternehmen mit Standorten in Festlandchina und Hongkong ist die Erweiterung der grenzüberschreitenden Talent-Endorsements ein bedeutender Vorteil. Unternehmen können Führungskräfte, Forscher, Spezialisten und andere Schlüsselpersonen mit deutlich weniger Verwaltungsaufwand zwischen Standorten einsetzen. Dies unterstützt flexiblere Organisationsmodelle, insbesondere in Forschung und Entwicklung, regionalem Management und Markteintrittsteams.


Das Short-Term Talent Visitor Scheme in Hongkong bietet zudem eine effiziente Möglichkeit, externe Experten, Berater, Trainer, Prüfer oder hochspezialisierte Fachkräfte für zeitlich begrenzte Projekte einzubinden. Unternehmen können dadurch kurzfristige Anforderungen schneller erfüllen, ohne sofort vollständige Beschäftigungsverhältnisse oder längere Visaprozesse einplanen zu müssen.


Besserer Zugang zu internationalen Fachkräften

Das erweiterte Top Talent Pass Scheme und die gelockerten Anforderungen machen Hongkong für hochqualifizierte internationale Fachkräfte attraktiver. Dies betrifft sowohl erfahrene Fachkräfte als auch Absolventinnen und Absolventen führender Universitäten weltweit.


Für Unternehmen bedeutet dies einen breiteren Zugang zu globalen Talentpools. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb um qualifizierte Kandidaten zu, da sowohl lokale Unternehmen als auch internationale Arbeitgeber auf denselben erweiterten Kreis an Fachkräften zugreifen können.


Da die Programme inzwischen eine grössere Bandbreite an Sektoren abdecken, profitieren nicht nur Finanz- und Technologieunternehmen. Auch Unternehmen aus Bereichen wie Umwelttechnik, Recht, Life Sciences, Ingenieurwesen, Forschung und professionelle Dienstleistungen können die neuen Mobilitätsregelungen strategisch nutzen.


Unterstützung für regionale Hauptsitze und Dual-Hub-Modelle

Für Unternehmen, die Hongkong als regionalen Asien-Pazifik-Hauptsitz nutzen möchten, unterstützen die Visaänderungen den Aufbau internationaler Führungs- und Spezialistenteams. Die Möglichkeit, ausländische Fachkräfte über das Top Talent Pass Scheme oder kurzfristige Besucherprogramme einzubinden, erleichtert den Aufbau diverser Managementstrukturen, projektbezogener Führungsteams und internationaler Beratungsgremien.


Für forschungsintensive Unternehmen kann die erweiterte grenzüberschreitende Mobilität ein Dual-Hub-Modell unterstützen. Forschung und Entwicklung können auf dem chinesischen Festland angesiedelt sein, während regionale Koordination, Corporate Functions oder internationale Managementaufgaben in Hongkong gesteuert werden. Die erleichterte Personenmobilität macht diese Struktur operativ praktikabler.


Herausforderungen und Risiken für Unternehmen

Trotz der klaren Vorteile steigt der Wettbewerb um qualifizierte Talente. Wenn Visahürden sinken, konkurrieren mehr Unternehmen um denselben Fachkräftepool. Arbeitgeber müssen daher prüfen, ob ihre Vergütung, Zusatzleistungen, Relocation-Unterstützung und Karriereperspektiven im Markt wettbewerbsfähig sind.


Unternehmen müssen ausserdem klar zwischen kurzfristiger und langfristiger Mobilität unterscheiden. Kurzfristige Besucherprogramme eignen sich gut für Beratungsleistungen, Projektarbeit oder spezialisierte Einsätze. Sie ersetzen jedoch keine langfristige Beschäftigungsstruktur, wenn eine dauerhafte Präsenz oder eine fortlaufende operative Rolle erforderlich ist.


Auch Compliance und Planung bleiben zentral. Vereinfachte grenzüberschreitende Genehmigungen bedeuten nicht, dass Steuer-, Arbeitsrechts- oder Einwanderungspflichten entfallen. Unternehmen, die Mitarbeitende regelmässig zwischen Hongkong und Festlandchina einsetzen, müssen Themen wie Steuerresidenz, Sozialversicherung, Arbeitsort, Vertragsstruktur und Meldepflichten sorgfältig steuern.


Die Gewinnung internationaler Talente ist nur der erste Schritt. Um Fachkräfte langfristig zu halten, benötigen Unternehmen klare Onboarding-Prozesse, lokale Unterstützung, transparente Karrierewege und eine Unternehmenskultur, die internationale Mobilität tatsächlich trägt.


Strategische Massnahmen für globale Unternehmen

Unternehmen mit Expansionsplänen in Asien sollten zunächst ihre operative Standortstruktur überprüfen. Dabei ist zu klären, welche Funktionen am besten in Festlandchina und welche in Hongkong angesiedelt werden. Forschung und Entwicklung können beispielsweise in Städten wie Shanghai, Shenzhen oder Guangzhou sinnvoll sein, während Hongkong für regionale Koordination, Finanzierung, Leitung und internationale Schnittstellen genutzt werden kann.


Die Talentplanung sollte ebenfalls angepasst werden. Das Top Talent Pass Scheme kann genutzt werden, um langfristig internationale Fachkräfte aufzubauen, einschliesslich Absolventinnen und Absolventen führender Universitäten. Für projektbasierte Anforderungen kann das Short-Term Talent Visitor Scheme eine flexible Ergänzung darstellen.


Unternehmen sollten zudem ihre Vergütungs- und Benefits-Strukturen überprüfen. Der stärkere Wettbewerb um Fachkräfte macht es erforderlich, Relocation-Pakete, Unterstützung für Familien, berufliche Entwicklung und Bindungsmodelle klar zu gestalten.


Ebenso wichtig ist eine interne Governance für Mobilität. Unternehmen sollten klare Richtlinien entwickeln, die Visaabläufe, grenzüberschreitende Einsätze, steuerliche Auswirkungen und lokale Compliance-Anforderungen abdecken. Ohne klare interne Prozesse können die Vorteile der neuen Regelungen durch operative Unsicherheit oder regulatorische Risiken eingeschränkt werden.


Auch das Employer Branding gewinnt an Bedeutung. Unternehmen, die sich als international, mobilitätsfreundlich und unterstützend positionieren, können im Wettbewerb um globale Fachkräfte besser wahrgenommen werden.


Was diese Entwicklungen für Asien insgesamt signalisieren

Die Veränderungen in China und Hongkong spiegeln einen breiteren regionalen Trend wider. Einwanderungs- und Talentprogramme bewegen sich zunehmend weg von restriktiven, nationalitätsbasierten Modellen hin zu stärker kompetenz- und talentorientierten Ansätzen.


Regierungen erkennen, dass der globale Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte besonders in Technologie, Forschung und Entwicklung, Recht, Finanzdienstleistungen und neuen Sektoren wie Umwelttechnik intensiver wird. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Standorte administrative Hürden senken und internationale Mobilität erleichtern.


Hongkong und bestimmte Regionen Festlandchinas positionieren sich dadurch stärker als regionale Talentzentren. Sie bieten internationale Anbindung, wirtschaftliche Tiefe und eine Brückenfunktion zwischen globalen Unternehmen und asiatischen Märkten.


Fazit

Die neuen Visa- und Talentregelungen in China und Hongkong machen beide Standorte für internationale Unternehmen attraktiver. Sie erleichtern grenzüberschreitende Mobilität, verbessern den Zugang zu Fachkräften und unterstützen flexiblere regionale Unternehmensstrukturen.


Für globale Unternehmen entsteht dadurch eine klare Chance, China und Hongkong strategisch als verbundene Standorte für Asien zu nutzen. Diese Chance lässt sich jedoch nur dann wirksam umsetzen, wenn Personalplanung, Compliance, Steuerfragen, interne Mobilitätsrichtlinien und Talentbindung von Anfang an sauber abgestimmt werden.


Die Unternehmen, die ihre Talentstrategie an diese neue Mobilitätsrealität anpassen, sind besser positioniert, um in Asien zu wachsen, internationale Fachkräfte zu gewinnen und regionale Strukturen langfristig erfolgreich zu führen.



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