Wirtschaftliche Substanz in China
- Mar 5
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Chinas regulatorisches Umfeld ist in eine Phase eingetreten, in der eine rechtliche Struktur allein nicht mehr genügt. Die Behörden legen zunehmend Wert darauf, ob geschäftliche Gestaltungen eine tatsächliche wirtschaftliche Substanz aufweisen. Dies betrifft insbesondere grenzüberschreitende Konzernstrukturen mit Holdinggesellschaften, Dienstleistungszentren und Regelungen zu geistigem Eigentum.
Im Jahr 2026 wird diese Entwicklung durch eine strengere steuerliche Durchsetzung, eine tiefere Datenintegration zwischen staatlichen Systemen und eine klare politische Ausrichtung auf mehr Transparenz verstärkt. Für multinationale Konzerne, die in China tätig sind oder China in ihre internationalen Strukturen einbinden, hat dies direkte Auswirkungen darauf, wie Strukturen gestaltet, dokumentiert und im Tagesgeschäft verwaltet werden.
Was wirtschaftliche Substanz im chinesischen Kontext bedeutet
Wirtschaftliche Substanz bedeutet im chinesischen Kontext, dass die rechtliche und finanzielle Position eines Unternehmens durch tatsächliche Geschäftstätigkeit gestützt sein muss. Regulierungsbehörden prüfen, ob eine Gesellschaft über relevante operative Aktivitäten verfügt, ob wesentliche Entscheidungen dort getroffen werden, wo Gewinne ausgewiesen werden, und ob Personal, Vermögenswerte und Risiken mit der angegebenen Funktion der Gesellschaft übereinstimmen.
Diese Prüfung erfolgt nicht über eine einzelne Regel. Sie ergibt sich aus einer Kombination von Steuerrecht, Verrechnungspreisgrundsätzen und Vorschriften zur Vermeidung missbräuchlicher Steuergestaltungen.
Warum die Durchsetzung 2026 zunimmt
Die Durchsetzung hat sich 2026 intensiviert, da China seine Steuerverwaltung weiter an internationale Standards anpasst, insbesondere im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung.
Gleichzeitig verfügen die Behörden heute über deutlich bessere Einsicht in Steuererklärungen, Zolldaten, Devisenbewegungen und Finanzberichterstattung. Diese stärkere Systemverknüpfung ermöglicht es den Regulierungsbehörden, Unstimmigkeiten zwischen tatsächlicher Geschäftstätigkeit und ausgewiesenen Ergebnissen schneller zu erkennen als in früheren Jahren.
Ein wesentliches Ziel bleibt der Schutz der chinesischen Steuerbasis. Strukturen, die Gewinne ohne nachvollziehbare operative Begründung ins Ausland verlagern, werden zunehmend hinterfragt. Dies ist besonders relevant für multinationale Konzerne, die regionale oder globale Strukturen nutzen, bei denen Wertschöpfung über mehrere Rechtsordnungen verteilt wird.
Welche Strukturen besonders geprüft werden
Bestimmte Strukturen stehen inzwischen stärker im Fokus der Behörden. Offshore-Holdinggesellschaften, die Einkünfte aus China erhalten, müssen einen klaren kommerziellen Zweck und eine aktive Verwaltung nachweisen können. Es reicht nicht aus, wenn eine Gesellschaft lediglich als passive Zwischeneinheit besteht.
Auch Dienstleistungszentren und Shared-Service-Strukturen müssen belegen, dass tatsächlich Leistungen erbracht werden. Dies setzt qualifiziertes Personal, nachvollziehbare Prozesse und eine klare Dokumentation der erbrachten Dienstleistungen voraus.
Strukturen rund um geistiges Eigentum werden ebenfalls genauer geprüft. Dies gilt insbesondere, wenn Lizenz- oder Royalty-Zahlungen aus China an ausländische Gesellschaften geleistet werden, die nicht über die Fähigkeit verfügen, die zugrunde liegenden Vermögenswerte zu entwickeln, zu verwalten oder wirtschaftlich zu kontrollieren.
Wie Behörden wirtschaftliche Substanz bewerten
Regulierungsbehörden konzentrieren sich bei der Bewertung wirtschaftlicher Substanz auf praktische Indikatoren. Sie prüfen, ob ausreichend Mitarbeitende mit angemessener Fachkompetenz vorhanden sind, ob tatsächliche Funktionen ausgeübt werden und ob Vermögenswerte von der Gesellschaft kontrolliert werden, die deren Eigentum oder wirtschaftliche Nutzung beansprucht.
Auch die Risikotragung wird geprüft. Entscheidend ist, ob Risiken tatsächlich von der betreffenden Gesellschaft getragen werden oder ob sie lediglich vertraglich zugewiesen wurden. Finanzielle Ergebnisse müssen letztlich mit dem Umfang der tatsächlichen Aktivität übereinstimmen.
Auswirkungen für multinationale Konzerne
Für multinationale Gruppen entsteht dadurch die Notwendigkeit, bestehende Strukturen erneut zu bewerten. Gestaltungen, die in der Vergangenheit akzeptiert wurden, erfüllen möglicherweise nicht mehr die heutigen Erwartungen.
Gleichzeitig steigt der Bedarf an detaillierter und konsistenter Dokumentation. Unternehmen müssen nachweisen können, wie Entscheidungen getroffen werden, wie Dienstleistungen erbracht werden und wie konzerninterne Preise festgelegt wurden.
Wenn wirtschaftliche Substanz als unzureichend angesehen wird, können die Behörden steuerpflichtige Einkünfte anpassen, Abkommensvorteile verweigern oder Transaktionen neu qualifizieren. Dadurch erhöhen sich sowohl das finanzielle Risiko als auch die Wahrscheinlichkeit einer Prüfung oder Untersuchung.
Da die Durchsetzung zunehmend datenbasiert erfolgt, werden Unstimmigkeiten häufiger erkannt, auch wenn Unternehmen davon ausgehen, dass ihre Strukturen formal regelkonform sind.
Praktische Schritte für Unternehmen
Unternehmen sollten prüfen, ob ihre rechtlichen Strukturen die tatsächlichen operativen Verhältnisse widerspiegeln. In manchen Fällen kann es erforderlich sein, die lokale Substanz zu stärken, etwa durch zusätzliche Mitarbeitende, klarere Governance-Prozesse oder eine stärkere operative Präsenz vor Ort.
Verrechnungspreisrichtlinien sollten ebenfalls überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie die tatsächliche Geschäftstätigkeit abbilden. Dies sollte durch geeignete Vergleichsanalysen und belastbare Dokumentation unterstützt werden.
Auch Finanzunterlagen, Verträge und Steuererklärungen müssen über alle Berichtskanäle hinweg konsistent bleiben. Abweichungen zwischen rechtlicher Struktur, operativer Tätigkeit und steuerlicher Behandlung können das Risiko regulatorischer Nachfragen erheblich erhöhen.
Fazit
Chinas Ansatz zur wirtschaftlichen Substanz steht für eine breitere Entwicklung hin zu mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht. Compliance hängt nicht mehr allein von der formalen Struktur eines Unternehmens ab, sondern von der wirtschaftlichen Realität seiner Tätigkeit.
Für Unternehmen, die ihre Strukturen an tatsächlicher kommerzieller Aktivität ausrichten, kann dies ein stabileres und besser planbares Umfeld schaffen. Für Unternehmen, die weiterhin auf veraltete oder rein steuergetriebene Gestaltungen setzen, dürfte die Prüfungstiefe weiter zunehmen.
Das Verständnis und die aktive Umsetzung dieser Anforderungen sind inzwischen ein zentraler Bestandteil erfolgreicher Geschäftstätigkeit in China.
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